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Praktikum in Down Under – ein Erfahrungsbericht

Um mein Maschinenbaustudium zu vervollständigen benötigte ich noch ein 16-wöchiges Fachpraktikum. Um das Studium international zu gestalten, aber auch um Erfahrungen – nicht nur fürs Studium – zu sammeln, meine Englischkenntnisse aufzubessern und interessante Menschen kennen zu lernen, wollte ich diese Gelegenheit nutzen, das Praktikum im Ausland durchzuführen. Die Wahl fiel dabei auf Australien, ein faszinierendes Land mit einerseits großen modernen Städten und andererseits einer unbeschreiblichen Natur und Landschaft.

Da ich beim ITA als Hiwi arbeitete und im Bereich der Transporttechnik bleiben wollte, habe ich meinen „Chef“ um Hilfe bei der Suche nach einer Praktikumsstelle gebeten. Aufgrund der guten Kontakte des ITA konnte schnell ein Kontakt zur Firma TUNRA Bulk Solids bzw. zum eng daran angelehnten Centre for Bulk Solids & Particulate Technologies (CBSPT) hergestellt werden. Nach einigen Telefonaten und E-Mails zwischen den Professoren und Mitarbeitern des ITA sowie des CBSPT habe ich die Zusage zum Praktikum bekommen. Das CBSPT befindet sich auf dem Unicampus in Newcastle, ca. 160 km nördlich von Sydney. Der vorgesehene Aufgabenbereich lag im Wesentlichen in der Simulation der pneumatischen Förderung. Desweiteren sollte ich in Beratungstätigkeiten für Firmen mit eingebunden werden.

Ankunft

Als ich in Newcastle ankam wusste ich noch nicht wo ich wohnen würde. Wie mit dem CBSPT abgesprochen, wurde für meine ersten Übernachtungen ein Hotelzimmer organisiert. Angenehm überrascht war ich, dass es sich dabei um ein 4-Sterne-Hotel direkt am Strand handelte. Ich nutzte also die ersten Tage, mir eine passende Wohnung zu suchen. Die Uniwebsite von Newcastle war dazu die beste Adresse! Generell kann ich nur empfehlen, vor Ort und nicht aus Deutschland nach einer Unterkunft zu suchen. Zum einen unterscheiden sich die Wohnungen wirklich stark und sind teilweise nicht mit Wohnungen in Deutschland vergleichbar. Zum anderen ergibt sich aufgrund von persönlichen Kontakten fast immer etwas. Die erste wichtige Vokabel lernt man spätestens beim Verlassen des Flughafens: „No worries!“ Bei der Wohnungssuche stand ich vor der Wahl, entweder direkt in der Nähe des CBSPT zu wohnen, also weit ab von Stränden, Bars und der Stadt, in Gegenden wo es ohne Auto schwer ist etwas zu unternehmen, oder eben andersrum. Empfehlen kann ich nur, die Strände und Bars zu bevorzugen!

Fachliches

In der ersten Woche des Praktikums habe ich zur Einarbeitung in das Thema eine Doktorarbeit über die pneumatische Förderung gelesen. In der zweiten Woche wurde ich zur „9th International Conference on Bulk Materials Storage, Handling and Transportation“ eingeladen, die Prof. Mark Jones, der Professor des CBSPT organisiert hat. Dies gab mir die Gelegenheit, viele gute und interessante Vorträge zu verschiedenen Bereichen der Schüttgutfördertechnik zu hören.

Da die Simulationssoftware leider nicht fertiggestellt wurde und mein Betreuer Ken nach der Konferenz für zweieinhalb Wochen in China war, sollte ich mich mit der Analyse alter Experimente befassen. In welche Richtung ich diese analysierte war mir weitestgehend freigestellt. Dabei fand ich einen Zusammenhang, mit dessen Hilfe sich der Druckabfall, der wichtigste Parameter zur Auslegung pneumatischer Förderanlagen, in einer Pipeline annährend ermitteln lässt. Seitdem habe ich dazu ein Modell entwickelt, das ich mit Daten von Versuchen mit verschiedenen Rohrdurchmessern und Pipelinelängen vergleiche und entsprechend das Modell weiterentwickele. Parallel dazu konstruierte ich auch einen Aufbau, an dem ich Erosionsversuche durchführen werde. Diese Versuche dienen später der Beratung von Firmen durch die Firma TUNRA.

Von diesen Aufgaben abgesehen habe ich auch einige interessante praktische Tätigkeiten wie beispielsweise die Kalibrierung von Drucksensoren, aber auch Reinigungsarbeiten durchgeführt. Das hört sich allerdings schlimmer an als es eigentlich war!

Erfahrungen

Generell bin ich mit meinem Praktikum sehr zufrieden, habe viel dazugelernt und immer viel Spaß gehabt! Die Betreuung speziell durch Ken, aber auch durch alle anderen Mitarbeiter ist wirklich super! Mir wurde nicht nur bei fachlichen Fragen sondern auch bei allen anderen Dingen, speziell bei Reisetipps und Wochenendplanungen immer sehr geholfen. Abgesehen von der Arbeit, spiele ich mit den Leuten von TUNRA und dem CBSPT regelmäßig Fussball, Lawn Balls und an Gelegenheiten um zusammen ein Bier zu trinken hat es natürlich auch noch nicht gefehlt...

Das Leben in Australien ist sehr angenehm und einfach. Alle Leute, die ich bisher getroffen und kennengelernt habe sind auffallend hilfsbereit, offen und freundlich. Schlechte Erfahrungen habe ich noch nicht gemacht.

In Newcastle habe ich mich wirklich gut eingelebt! Das Stadtzentrum ist eher klein und das Leben beschränkt sich eigentlich nur auf wenige Straßen mit Bars, Cafes und Geschäften. Wer sich hier etwas auskennt wird es genießen! Wem Sydney zu groß und zu hektisch ist, der liegt mit Newcastle genau richtig! Touristen und die typischen Backpacker habe ich hier bisher kaum getroffen. Im Hafen lässt sich an den Hafenanlagen erahnen, dass Newcastle der weltweit größte Kohleexporteur ist. Laut und dreckig ist es allerdings nicht!

An sechs schönen Stränden lässt es sich hervorragend ausruhen, planschen und von Strand zu Strand joggen. Einige der Strände sind in Australien als Insidertipps zum Surfen bekannt. Das Nachtleben in Newcastle ist super! Mit Bars direkt am Wasser, Livemusik in fast jedem Pub und vielen verschiedenen Biersorten gibt es am Wochenende eigentlich immer was zu tun. Studentnight ist mittwochs, ansonsten ist in der Woche eher wenig los.

Insgesamt ist es in Australien etwas teurer als in Deutschland, das Bier kostet in Pubs und Bars aber etwa das gleiche.

Durch die Nähe zu Sydney habe ich einige Wochenendausflüge in die Stadt gemacht. Für umgerechnet fünf Euro kommt man innerhalb von zweieinhalb Stunden mit der Bahn in Sydney an.

Strandwetter ist hier eigentlich immer. Durch die Nähe zu den Stränden ist das Wetter aber sehr gut aushaltbar! Bewölkte Tage, an denen es nur 24 °C ist und es ab und zu mal regnet gehören hier zu den Tagen mit schlechtem Wetter. Allerdings endet zurzeit eine elfjährige Trockenzeit. Natürlich bin ich, als „the bloody german“ daran schuld. Aber no worries, so schlimm ist es auch wieder nicht!

Nach meinem Praktikum werde ich nicht gleich ins kalte Deutschland zurückfliegen, sondern für circa zwei Monate das Land bereisen. Die Möglichkeit sollte man sich hier wirklich offen halten, da Australien einfach sehr viel an unglaublichen Landschaften, schönen Städten und netten Leuten zu bieten hat!

Bei weiteren Fragen zum Praktikum in Australien kann über das ITA gerne der Kontakt zu mir aufgenommen werden.

Herzlich bedanken möchte ich mich bei Prof. Hager, der mich durch die Dr.-Jürgen-Ulderup-Stiftung finanziell bei den Reisekosten unterstützt hat, sowie bei Prof. Overmeyer, Tobias Wennekamp und Frau Kmitta.

Stephan Hötte, im Januar 2008